Geschichte von Las Vegas

Bereits vor Tausenden von Jahren, lange bevor die Europäer Fuß auf den amerikanischen Kontinent setzten, war die scheinbar so lebensfeindliche Mojave-Wüste, im Süden der Vereinigten Staaten, von den Stämmen der Paiute-Ureinwohner bevölkert. Die Wüste erstreckt sich über einen Großteil Südkaliforniens und reicht bis in die Bundesstaaten Nevada, Utah und Arizona. Sie ist vor allem für die riesigen Joshua Trees bekannt, die spärlich das Land überziehen.

Überleben konnten die Paiute aufgrund ihrer Kenntnisse der natürlichen Quellen des Gebietes, der so genannten artesischen Quellen. Es handelt sich dabei um Talgegenden, in denen die Erdoberfläche unter den Pegel des Grundwasserspiegels sinkt, und somit ein kontinuierliches Austreten des Wassers, in Form von Bächen oder Strudeln, stattfindet. Die um solche Quellen herum entstandenen fruchtbaren Auenlandschaften, kleine lebensspendende Oasen inmitten der kargen Wüste, waren der Grund für die Namensgebung „Las Vegas“. Als der spanische Händler Antonio Armijo, auf einer Expedition zur Erforschung besserer Reiserouten im Jahre 1829, seine Leute aussandte und der junge Rafael Rivera auf die Auenlandschaft stieß, taufte er die Gegend „Las Vegas“ (span. für Die Auen).

So wurde Las Vegas zum wichtigen Zwischenstopp auf der Old Spanish Trail, der von Händlerkarawanen und Reisenden verwendeten Route zwischen Los Angeles und Santa Fe. Zu jener Zeit gehörten die Bundesstaaten Utah, Arizona, California, New Mexico, Texas und Nevada allesamt noch zum mexikanischen Territorium. Dennoch warf die bevorstehende US-Invasion von Nordmexiko, in Gestalt eines militärischen Erkundungstrupps, ihren Schatten voraus. Im Jahre 1844 zogen John C. Fremont und seine ihm unterstellten Expeditionsteilnehmer gen Süden, um die Spanische Reiseroute zu erforschen, bzw. zu kartographieren. Zwei Jahre darauf erklärten die Vereinigten Staaten den Mexikanern den Krieg und derselbe Fremont führte eine Truppe Soldaten zur erfolgreichen Invasion Kaliforniens. Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg währte zwei Jahre, kulminierte in der Preisgabe von Kalifornien, Utah, New Mexico, Arizona und Nevada… Las Vegas befand sich nunmehr auf US amerikanischem Hoheitsgebiet.

Las Vegas in Nevada

Las Vegas in Nevada ©iStockphoto/Daniel Vineyard

Mit der Annektierung dieser Gebiete setzte auch das Missionieren ein. Es entstanden in nahezu allen neuen Siedlungen Forts, welche eine sichere Behausung für die mit der Missionsarbeit beauftragten Mormonen gewährleisten sollten. So auch in Las Vegas, unter der Führung von William Brigham. Die Standhaftigkeit dieser Festungen lässt sich u.A. daran erkennen, dass das Mormonen-Fort von Las Vegas heute noch steht und als Ältestes Gebäude des Staates Nevada gilt. Die Konvertierung der Paiute-Indianer erwies sich als schwieriger als zunächst angenommen, es folgten Querelen, Gräueltaten und Missbrauch politischer Macht, nicht zuletzt aufgrund spärlicher agrikultureller Erträge. Zuletzt brachen sogar einige Kleinkriege aus. Die Instabilität dieser Situation führte schließlich zur Aufgabe des Forts vonseiten der Mormonen im Jahre 1857.

Ironischerweise war es ein nach Reichtum und Profit suchender Goldgräber, der 1865 das Fort wiederaufnahm und halbwegs instand setzte. O.D Gass hatte bereits einige Jahre lang erfolglos in Kalifornien und Arizona nach Gold gesucht, als er den Wert von Las Vegas als Durchgangsstätte erkannte. Er taufte die Festung in „Los Vegas Rancho“ um, erweiterte das landwirtschaftliche Anbaugebiet und stellte so eine willkommene Verpflegungs- und Raststätte für alle diejenigen bereit, die von Südkalifornien in Richtung Salt Lake City unterwegs waren. Das Unternehmen lief einige Jahre gut, im Jahre 1879 wurde Gass jedoch zum Opfer seiner hohen Schulden und musste die Festung mitsamt der umliegenden Anlagen an Archibald Stewart abtreten.
In den darauf folgenden Jahrzehnten wurden mehrmals Grundbesitzrechte über Versteigerungen angeboten, es siedelten sich Kleinbauern um die natürlichen Quellen herum an, und letztendlich kehrten auch die Mormonen im Jahre 1895 knapp drei Jahrzehnte nach ihrem Rückzug, nach Las Vegas zurück.

Um die Jahrhundertwende wird in rasendem Tempo immer mehr Land vermittels der Eisenbahnschienen vernetzt. Auch die Verbindung zwischen Südkalifornien und Salt Lake City wird um diese Zeit fertig gestellt, wodurch Las Vegas zur Eisenbahnstadt wird. Wie früher bei den Handelskarawanen, erweist sich die Auenlandschaft mit den Wasserquellen als hervorragende Tank- und Raststätte. Der US Senator und Eisenbahnunternehmer William Clark erwirbt nun die alte Las Vegas Ranch mit den wertvollen Wasserquellen, organisiert Versteigerungen des Baulandes und setzt eine rasch fortschreitende Industrialisierung in Gang. Letztere wird auch durch die ersten größeren Bewässerungsprogramme der Stadt angekurbelt. Am 15. Mai 1905 wird die City of Las Vegas offiziell gegründet.

Das Wachstum und die wirtschaftliche Prosperität dauern etwa bis 1917 an, als sich die ersten Krisen der Eisenbahnindustrie abzuzeichnen beginnen. Verbreitete Rezession, landesweite Arbeitnehmerstreiks und die ersten Vorboten der Weltwirtschaftskrise führen Las Vegas in eine trübe Phase, an der auch die Fertigstellung des Highwayanschlusses 1926 nicht viel zu ändern vermag.
Der erneute Aufschwung trifft erst mit dem Beschluss zur Erbauung des berühmten Hoover Damms 1930 ein. Ursprünglich „Boulder Damm“ genannt und später nach dem geistigen Urheber des Projekts, dem Präsidenten Hoover, umbenannt, katapultierte dieses Unternehmen die Stadt Las Vegas nach vorne. Massenweise beginnen sich vor der allgemeinen Krise fliehende Arbeitssuchende in Las Vegas niederzulassen und am Mammutprojekt des Dammbaus teilzunehmen.
Die Folgenschwere Legalisierung des Glückspiels im Jahre 1931 fiel zeitlich fast mit der Erfindung der Neonlichtröhre zusammen, die Markenzeichen der Stadt waren geboren.
(Es gibt in Las Vegas sogar ein „Neonlichtmuseum“)

Im Zuge des durch Dammbau und Glücksspiel bedingten Aufschwungs, beginnt das touristische Interesse an Las Vegas enorm zu wachsen, was seinerseits die Gründung von immer mehr Casinos und Freizeitangeboten nach sich zieht. Es sind nicht zuletzt die schillernden Namen und Figuren, die mit dem hiesigen Nachtleben assoziiert werden, die Las Vegas zur Weltmetropole des „Spiels“ erheben. Spielhallen, deren Besitzer berühmte Gangster waren, oder die notorischen Pokerrunden des Rat Pack mit Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr tragen zum „verruchten Ruhm“ der Stadt bei.
1955 wird mit dem Moulin Rouge die erste Rassenintegrierte Einrichtung der Stadt eröffnet, ein durchaus gewagtes Unterfangen in der bis dahin rassistisch geregelten Hotelcasinopolitik.

In den 80er Jahren erlebt Las Vegas einen erneuten Boom und manifestiert sich als unumstrittene Vergnügungsstadt Nr. 1 der Vereinigten Staaten, wenn nicht sogar des gesamten Globus. Die Erfolgsgeschichte der Stadt hält an und mittlerweile zählt die einstige „Auenlandschaft“ eine Bevölkerung von knapp 600’000 Einwohnern.