Viva Las Vegas
Wir nähern uns Las Vegas in nächtlicher Anfahrt aus Richtung Hoover Damm. Atemberaubend der Anblick des funkelnden, pulsierenden Lichtermeers, dass die Stadt in der Wüste nachts in einen goldenen Fluss verwandelt. Der Schein trügt nicht, nur statt Gold fließt Geld in rauen Mengen in einarmige Banditen, beim Poker, Black Jack, Kino und Roulette. Das Preisniveau für Unterkunft und Verpflegung liegt weit unter dem Landesdurchschnitt. Schließlich soll das Geld in die Kassen der Casino-Betreiber fließen. Genau das macht Las Vegas gerade für Nicht-Zocker, außer am Wochenende, preislich interessant. Dennoch muss sich keiner mit Zuschauen begnügen. Die Glitzermetropole bietet mehr als wir uns vorstellen können. Das beginnt schon mit der Auswahl der Unterkunft.
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Trotz Wohnmobil ziehen wir es vor im Hotel zu nächtigen und entscheiden uns für das Luxor, dessen Laserlicht hoch in den Wüstenhimmel strahlt. Am Eingang erwartet uns die Sphinx und im Innern großzügige Zimmer zum kleinen Preis und mit Blick auf den gegenüberliegenden Flughafen oder das Excalibur. Wohin man schaut - ägyptische Motive bis zur Seifenpackung.
Die ungewöhnlich steile Sitzanordnung im hoteleigenen 3-D-Kino macht den Kinobesuch zum Erlebnis.
Wer, wie wir, mit Kindern das Spielereldorado besucht, darf sich in den Casinos nicht lange an einer Stelle, sprich neben den Spielautomaten aufhalten. Durchschlendern – ja, stehen bleiben – nein, wir müssen uns trennen und so kann immer nur einer von uns sein Glück an den Slot Machines versuchen. Das Gesetz verbietet die Teilnahme am Glücksspiel unter 21 Jahren. Höflich, aber bestimmt scheuchen uns die Security Mitarbeiter davon.
Abhilfe, für Problemfälle wie uns, schafft das Circus Circus. In der oberen Etage gibt es Spiel und Spaß für alle Altersgruppen. Ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt reihen sich die Attraktionen aneinander. Wir landen vor einem riesigen Suppentopf und versuchen Hühnerattrappen durch Hammerschläge hineinzubefördern. Ein Riesenspaß für Jung und Alt. Unser lautes Gejohle lockt andere Besucher und plötzlich ist der Suppentopf umringt von einer Schar amüsierter deutscher Touristen, die mit wilder Begeisterung die Hühner fliegen lassen.
In der trockenen Hitze des Tages scheint die Stadt wie gelähmt. Wir beschließen auszuschlafen und verbringen den Rest des Tages mit Faulenzen am Pool des Circus Circus. Erst in den Abendstunden erwacht Las Vegas aus seinem Dornröschenschlaf wieder zu pulsierendem Leben.
Es sind bei weitem nicht die Spielhöllen, die uns auf den Las Vegas Boulevard, kurz Strip genannt, locken. Vielmehr lassen wir uns faszinieren von überdimensionalen Leuchtreklamen, den Licht und Lasershows, den Wasserfontänen, verspieltem Beiwerk einer phantastischer Architektur, die weltweit ihresgleichen sucht und nicht nur Kinderaugen zum Staunen bringt: Direkt am Strip: Caesars Palace, monumentale Hotelanlage mit altrömischem Ambiente und hoteleigener Hochzeitskapelle, das durch Siegfried und Roy bekannte Mirage und Planet Hollywood. In der Lagune vor dem Treasure Island findet während der Abendstunden mehrmals ein pyrotechnisches Spektakel, begleitet von Musik und akrobatischer Performance statt. Die Vorstellungen sind kostenlos und immer wieder gut besucht. Um einen geeigneten Platz zu ergattern, machen wir uns etwas früher auf den Weg. Das Abendessen nehmen wir zur Abwechslung am südlichen Strip im Excalibur ein. Für wenige Dollars bietet das Neuschwanstein nachempfundene Märchenschloss ein Round-Table-Buffet, was nichts anderes bedeutet als Essen bis zum Abwinken. Hier dreht sich alles um die Sagenwelt des König Arthur. Themenbezogen sind auch die im Shop erhältlichen Artikel. Wir gönnen uns ein etwas anderes Souvenir. In einem der Fotoshops am Strip lassen wir uns durch ein paar digitale Zaubertricks in kesse Revuegirls verwandeln.
Kitsch as Kitsch can: Hochzeit im Schnelldurchlauf und zu den Klängen von Elvis – auch das ist Las Vegas. Beim Anblick der weißen Limousinen vor den Wedding Chapels verdrehen meine Mädels verzückt die Augen. Weniger bekannt: Las Vegas ist nicht nur Hochzeits-, sondern auch Scheidungsparadies.
Eine der Hauptattraktion und zugleich das nördlichste Casino am Strip ist das Stratosphere Las Vegas. Neben dem in 270 m Höhe gelegenen Restaurant geht’s im wahrsten Sinne des Wortes richtig rund. „X-Scream“ verspricht einen Tiefenrausch der besonderen Art. Ein achtsitziger Wagen bewegt sich mittels einer Rampe bis über den Rand des Towers. Schwerelos hängen die Passagiere über dem Abgrund und kommen dadurch in den zweifelhaften Genuss des Gefühls abzustürzen. Wer dann noch nicht genug hat, kann sich vom „Big Shot“ in Sekundenschnelle an die Spitze des Towers katapultieren lassen. Eine Karussell Fahrt im Insanity in luftiger Höhe rundet den Adrenalin Kick ab. Es empfiehlt sich das exklusive Abendessen im Top-of-the World Restaurant nicht unbedingt vor den Rides einzunehmen, auch das Restaurant rotiert – wäre schade um das teuere Menu. Schon der Blick von unten nach oben ruft bei mir einen leichten Anflug von Übelkeit hervor. Meine Mädels sind unschlüssig, aber nicht wirklich abgeneigt. Mein mütterlicher Beschützerinstinkt zwingt mich den beiden das Vergnügen auszureden.
There’s no business like Showbusiness. Showgrößen wie David Copperfield oder Celine Dion treten in den großen Hotels wie MGM oder Caesars Palace auf. Im Treasure Island entführen die Artisten den Besucher in eine fantastische Traumwelt. Das Stratosphere begeistert mit hinreißenden Imitationen amerikanischer Superstars. In vielen Hotels und Nachtclubs locken leicht bekleidete Revuegirls vor allem das männliche Publikum. Nicht alle Darbietungen sind auch für Kinder zugänglich. Karten für die wirklich großen Shows mit weltberühmten Darstellern sind nicht gerade billig und während Spontanaufenthalten schwer zu ergattern. Es empfiehlt sich eine Bestellung vor Reiseantritt.
Wer ein Casino gesehen hat, kennt sie alle. So fantasievoll und fantastisch die Nachbildungen weltberühmter Bauwerke sind, so sehr gleichen sich die unzähligen Casinos der ständig wachsenden Spielerstadt. Etwas überreizt von den vielen Eindrücken machen wir uns nach drei Tagen Aufenthalt auf ins Umland von Las Vegas – back to nature.
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