Las Vegas – Welthauptstadt von Spiel, Spaß und Unterhaltung

“Las Vegas – the Entertainment Capital of the world” lasen wir in Riesenlettern an der Stadteinfahrt. Nach stundenlanger Fahrt durch die karge Wüste des Bundesstaates Nevada freuten wir uns auf etwas Abwechslung. Doch als wir in die City einfuhren trauten wir unseren Augen nicht. Mitten in den Wüstensand gesetzt erwartete uns eine künstlich gewachsene Stadt, die mit Superlativen strotzt. Alles was ich hier an Weltrekorden mitteilen kann, wird wohl in den nächsten Jahren schon keinen Bestand mehr haben, da der Bauboom ungebrochen scheint. Das größte Hotel mit 4.000 Betten, die mit 300 Metern höchste Achterbahn, die Stadt mit den meisten Spielautomaten und auch den meisten Hochzeiten, das sind nur einige Beispiele. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Alle Wunder der Welt scheint man in Las Vegas finden zu können. Ob Raumschiff Enterprise oder Ägyptische Pyramide, aktiver Vulkan oder New Yorker Skyline – auch die Schatzinsel der Piraten und wunderschöne Märchenschlösser sind hier nachgebildet und in erstaunlichen Dimensionen hochpoliert dem Touristen präsentiert. Doch all das war nicht der erste Eindruck allein. Wir nämlich machten zunächst Bekanntschaft mit dem Las Vegas um die Mittagszeit, einer heißen Stadt ohne Neonlicht und noch viel schlimmer, fast ohne schattenspendende Bäume. Es war Freitag und wir hatten verpasst, schon von Deutschland aus ein Hotelzimmer zu buchen, ein fataler Fehler, der uns einige Dollar an Mehrkosten aus der Urlaubskasse zog. Zwar besorgten wir uns an der Tankstelle das lokale Heftchen mit Coupons und Gutscheinen. Aber die galten meist nicht am Wochenende oder aber die etwas preiswerteren Unterkünfte waren ausgebucht. In fast jedem Hotel musste man sich erst durch eine riesige Lobby, vollgestellt mit Spielautomaten quälen. Am Anfang war das ja noch überraschend und lustig, aber nach den vielen Absagen nervte es. Weil so bekannte und ebenso exklusive Hotels wie das Bellagio, Caesars Palace, Golden Nugget, Luxor oder Exalibur nicht in Frage kamen, fanden wir dann doch noch Downtown, im Altstadtkern – dort wo eigentlich 1855 von den Mormonen der Grundstein für diese Stadt gelegt wurde, eine passende Unterkunft. Da wir uns in Amerika sowieso von dem Gedanken trennen mussten, eine City zu Fuß auf einem beschaulichen Bummel kennenzulernen, spielten die paar Kilometer mit dem Auto dann also auch keine Rolle mehr.

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Die Stadt ist toll – sicher. Aber sie hat zwei Gesichter. Das Tagesgesicht ist eher staubig und normal, die Seitenstraßen sind schmutzig, Müll türmt sich, Werbeflyer wehen und liegen in jeder Ecke, die Scheiben der Telefonzellen sind vollgepappt mit Telefonnummern der leichten Mädchen. Das Nachtgesicht ist voller Schein, Fontänen und Neonlicht. Sobald die Sonne untergeht blitzen üppige Lichtreklamen in den schwarzen Wüstenhimmel. Meine Großmutter hätte gesagt „Oben Hui und unten Pfui“. Wir konzentrierten uns also eher auf die Abendstunden und erlebten eine aufregende Zeit wie in tausendundeiner Nacht. Empfehlenswert sind natürlich die Shows des Cirque du Soleil. Man kann die Dinnershow am Abend mit Essen und die Cocktailshow in der Nacht buchen. Und was wäre ein Las Vegas ohne Casinobesuch? Irgendwas muss doch dran sein. Schließlich verdankt die Stadt all ihren Reichtum und Glanz dem Glücksspiel. Bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts war sie nämlich ziemlich unbedeutend. Damals wollte man das Glücksspiel aus den großen Metropolen verdammen und verlegte die Casinos irgendwo in eine Kleinstadt namens Las Vegas mitten in der Wüste von Nevada, dem einzigen Bundesstaat, wo das Glücksspiel noch erlaubt war. Das war die eigentliche Geburtsstunde für die Stadt der Spieler und der besten Shows der Welt. Wir sind nun wahrhaft keine Zockerfreunde, aber was wäre ein Aufenthalt hier ohne ein Besuch bei den „Einarmigen Banditen“ – wie die einfachen Automatenspiele genannt werden. Ob Hotel, Bar oder Spielhalle – überall trifft man auf unzählige Leute, die ihr Glück herausfordern möchten. Was uns so faszinierte – man traf auf dichtestem Raum den normalen Touristen, den Herrn im Anzug, die Hausfrau von Nebenan, die schwarzhäutige Großmutter und die vielleicht schon spielsüchtigen Teenager. Überall blitzen die Lämpchen der Automaten, künden die kleinen Sirenen an, dass wieder eine der Maschinen einen Gewinn ausgespuckt hat… Die Centstücken klimpern aber auch genüsslich laut, wenn man sie gewonnen hat – wir erfahren selbst das Glück und beweisen einen starken Charakter, als wir mit einem Gewinn von 25 Dollar den Spaß beenden. Eingesetzt hatten wir nur ein Fünftel. Somit hatten wir uns auch gleich eine Grundlage für das Abendessen geschaffen. Wie in jeder Weltstadt, kann man natürlich auch in Vegas, so nennt der Einheimische seine Stadt, jede Kost genießen. Wir wollten an so einem aufregenden Ort nicht lange im Restaurant rumsitzen und entschieden uns für „Dennis“, da wird für Touristen aller Sprachnationen eine bebilderte Speisekarte gereicht. Schon bald danach ging es natürlich auf den „Strip“, dem etwa fünf Kilometer langen Boulevard, an dem nachts jeder Meter zum Seherlebnis wird. Die Hotels und Casinos warten mit Neonlicht in unsagbarer Fülle auf, die Fontänen werden eingeschalten, die am Tag noch eher blassen Hotels mit all ihren Türmchen und Figuren erscheinen plötzlich in ganz anderem Licht. Eine Außenshow jagt die andere. Die Touristen fahren in ihren Cabrios rauf und runter, hupen, freuen sich, genießen und tun wohl alle das selbe – am Ende der Glitzershow drehen sie ihre Wagen und fahren noch mal den gesamten Boulevard entlang. Wir machten das dreimal und haben es bis heute keine Sekunde bereut. Es war so überwältigend und jedes Mal sah man Sachen, die man vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Den Abend ließen wir in einer Bar ausklingen. Für diese Stadt wohl logisch – nicht nur auf den Toiletten waren Spielautomaten, auch in jeden Tresenplatz war ein Monitor zum Zocken eingelassen.

Tagsüber sind Ausflüge in die nähere Umgebung zu empfehlen. Lake Mead, der größte Stausee Amerikas bietet sich an. Auf einer kurzen Kreuzfahrt auf dem Schaufelraddampfer kann man ausruhen und anschließend zum Hoover Staudamm fahren. Dort kann man sich einen interessanten Film über die Entstehung des Staudamms ansehen, an der Führung in das Innere des Damms teilnehmen und die spektakulären Ausblicke auf den Colorado River genießen.

Wer aber ganz was Exklusives sucht, kann auch in eine der vielen Wedding Chapals gehen und sich nach amerikanischem Recht trauen lassen. Das geht ganz schnell und bedarf nur weniger Formalitäten. Übrigens kann man sich auch genauso schnell wieder scheiden lassen. Der Wahnsinn kennt hier kaum Grenzen.

Als Tagesausflug per Auto geeignet und auch nur 30 Helikopter Flugminuten entfernt, findet man ein Muss für jeden Gast hier in dieser Region, den Grand Canyon National Park. Der Colorado River hat in das regenarme Plateau über 450 km Länge eine bis zu 1.600 Meter tiefe Schlucht gefräst. An bestimmten Aussichtspunkten kann man die Ruhe und unsagbare Weite dieses überwältigenden Landschaftsabschnittes genießen. Wer genügend Zeit mitbringt, sollte sich unbedingt das Farbspiel an den Felsschluchten bei untergehender Sonne ansehen. Es sind wirklich unvergessliche Eindrücke, die man sich nicht entgehen lassen darf.

Las Vegas ist ein spanischer Name und heißt eigentlich „die fruchtbaren Auen“. Die Stadt schaffte es in nur 50 Jahren zum finanziell bedeutendsten Touristenzentrum der USA zu wachsen. Zehn Millionen Besucher jährlich sind wohl Beweis genug für ihre Anziehungskraft. Sie gilt zu Recht als die Glitzerstadt der Superlative und wird wohl jeden mit ihren spektakulären Shows und natürlich auch mit ihren unzähligen Spielcasinos in ihren Bann ziehen. Auch wer glaubt, schon die ganze Welt gesehen zu haben, wird hier in Las Vegas das Staunen wieder lernen.

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